Vier geführte Skitourentage zur Maighels Hütte
Unvergessliche Momente mit
Demut, Natur, Ruhe, Weite, Abenteuer, Power Gemeinschaft
Tag 1
An einem frühen Sonntagmorgen brechen sechs Mitglieder der Sektion Lindau mit Dieter Motz, DAV Führer für Skibergsteigen, zu einer geführten Skitour bei Andermatt auf. Es sind erfreuliche 60-100cm Neuschnee vorhergesagt. Wegen der ebenfalls vorhergesagten Lawinengefahr der Stufe 4 ist bei Abfahrt im Vereinsbus allerdings noch nicht ganz klar, ob die Tourentage wie geplant durchführbar sind. Am Zielort Tscharmutt sind in Windeseile die Ski auf rund 1.650m ü.M. an den Füßen und die Rucksäcke auf den Schultern.
Der jeweils Erste in der Gruppe legt kraftzehrend eine Spur für die ihm Folgenden in den frisch gefallenen Schnee. Sträucher im Neuschnee begrüßen die Tourengeher, als sie entlang eines glasklaren Wasserspiels gehen. Schon jetzt zeigt sich die Natur von der schönsten Seite. „Dafür schmeiße ich jeden Skipass weg,“ entfährt es Thomas, einem der Touren- und Alpenvereins-Neulingen. Nach rund 200 Höhenmetern müssen wir zunehmendes Gefälle überwinden. Um die die akute Lawinengefahr praxisnah zu ermitteln, macht Dieter den sogenannten Extendet Column Test (ECT) mit uns. Dabei bringt er den definiert freigesägten 30 x 90 cm Block beim 12. Schlag an der Schwachschicht zum Rutschen. Dieter erläutert nachvollziehbar, dass die tatsächliche Lawinengefahr vor Ort damit eher bei Stufe 3 liegt, was einWeitergehen mit der notwendigen Vorsicht möglich macht.
Die Wolken verschwinden zunehmend. So geben sie die zur zusätzlichen Gefahreneinschätzungnotwendige Ausblicke auf die Anhöhen um uns frei: An sogenannten Checkpunkten analysieren alle Teilnehmenden unter Anleitung von Dieter die Gefahr.
Maßnahmen wie z.B. die Vermeidung von mehr als 30 Grad Gefälle und situative Einhaltung eines Abstandes von 10 m ermöglichen ein sicheres Weitergehen. Auf 2.313 m ü. M. dürfen wir die schweren Rucksäcke schließlich in der gemütlichen Maighels Hütte ablegen. Die Hütte ist einladend aufgeräumt, hervorragend organisiert und offensichtlich nachhaltig betrieben. Hüttenwirt Mauro empfängt uns freundlich und weist uns unsere Bettenlager zu. Nachdem sich alle 7 eingerichtet haben und auf das Essen freuen, wird uns erneut bewusst, wie glücklich wir über die Erfahrung unseres Tourenführers Dieter sein dürfen. Denn alle anderen Gäste haben wegen des Neuschnees kurzfristig abgesagt: Wir haben die Hütte, welche 83 Gäste beherbergen kann, am ersten Tag ganz für uns alleine!
Ein unerwartet frisches, leckeres und mit Blüten liebevoll dekoriertes 3-Gänge Menu gibt uns die Kraft fürden nächsten Tag zurück. Der Abend schließt zeitig mit verbindenden Gesprächen, zu denen das Staunen über die wunderschöne Umgebung beim Aufstieg wenig Atem lies.
Tag 2 - Demut. Natur.
Der zweiten Morgen beginnt ohne Wolken. Die Maighels Hütte offenbart dadurch rundum erstmalig herrliche Ausblicke in der Sonne, die Verheißung für die nächsten Tage sind. Der Wetterbericht sagt ab jetzt nur noch Sonne an. Wir gehen eine wunderschöne Tour ca. 3 Stunden in unberührtem Neuschnee in Richtung Piz Alv. Wegen der Wetteränderung ermitteln wir am zweiten Tag erneut die aktuelle Lawinengefahr. Mit einer weiteren Methode, dem Kleinen Blocktest (KBT), verschafft sich Tourenführer Dieter einen Überblick, den er mit der Gruppe teilt: Ein freigesägter Block mit den Maßen 40 x 40 cm wird von oben beginnendseitlich mit der Schaufelfläche mit zunehmender Kraft von 1-3 Nm nach unten zum Brechen oder Gleiten gebracht. Die Form der Bruchstelle ist nicht glatt, was von Profil für den Halt der Schneedecke zeugt. Die zusätzliche Analyse der Kristalle der Schwachschicht mit einer speziellenLupe gibt weitere Auskunft über ausreichend Lawinensicherheit.
Nach einem Tag mit fantastischen Ausblicken in der Sonne erwartet uns am Abend wieder ein Menu vom Feinsten: von der Suppe vorweg über ein Spaghetti-Buffet mit selbstgemachten Soßen bis zum liebevollen Nachtisch ist das Essen ein Genuss
Tag 3 – Ruhe. Weite. Abenteuer
Am dritten Tag gehen wir zunächst den gleichen Weg vom Vortag, biegen aber nach etwa halberStrecke nach links zum Piz Ravetsch ab. Wieder begleitet uns die Sonne, gute Laune und strahlendblauer Himmel.
Kurz vorm Ziel stellt uns Tourenführer Dieter pragmatisch vor eine kritische Frage: so wie Danielagestern leicht auf ihren Nachtisch verzichten konnte, so sollten wir in Anbetracht der Gefahr durch das zunehmende Gefälle auf die letzten 50 Höhenmeter zum Gipfel verzichten! Wir entscheiden uns nacheiner Jause daher für eine gemeinsame Abfahrt in sanftem Gefälle und kommen sicher und glücklich wieder an der MaighelsHütte an.
Nach einem erneut hervorragendem 3-Gänge-Menu mit Bio-Rind und vegetarischer Variante und einergeruhsamen Nacht bricht der letzte Tag an. Vor der Abreise am Nachmittag genießen wir neue Perspektiven und Ausblicke vom gegenüber liegenden Piz Badus, 2.928 m ü. M.
Was bleibt also nach 4 gemeinsamen Touren-Tagen?
Zunächst bleibt ein herzliches Dankeschön an die Hüttenwirt-Familie Nora und Mauro mitNachwuchs Tara und ihrem Team: Ihr seid super!
Noch mehr Dank gebührtunserem Tourenführer Dieter Motz: Er hat uns mit seiner Erfahrung den Mut gegeben, die Tour trotz erhöhter Lawinengefahr angstfrei mit Freude und Begeisterung zu gehen. Wir wurden belohnt durch 4Tage paradiesischen Neuschnee unter strahlend blauem Himmel im Sonnenschein.
Tag 4 - Powder. Gemeinschaft.
Wir haben wertvolle neue Erkenntnisse beim Tourengehen an sich und über das Gebiet an derMaighels Hütte gewonnen. Wir haben uns gegenseitig mit jeweils persönlichen Stärken geholfen und verbessert. Wir konnten auf diese Weise unsere Leistungsgrenze individuell und als Team erheblich verschieben. Am letzten Tag lässt ein zusammengewachsenes und technisch gestärktes Team bei ausreichend Gefälle glücklich und dankbar den Powder in der Sonne glitzern.
Autor: Thomas Kronhage