Sentiero Bernina Sud – Vier Tage zwischen Gletschern, Pässen und Hüttenzauber

Vier Tage, drei Hütten, zwei Länder und unzählige großartige Ausblicke –

unsere DAV-Lindau-Tour Lindau-Tour auf dem Sentiero Bernina Sud führte uns durch eine der eindrucksvollsten
Hochgebirgslandschaften der Alpen.


Die rund 60 Kilometer lange Route verbindet das Bergell mit dem Valmalenco und dem Val Poschiavo und verläuft auf aussichtsreichen Höhenwegen rund um die Berninagruppe.
Tag 1 – Von Maloja zur Fornohütte
Nach der Anreise nach Maloja ließen wir den Alltag schnell hinter uns. Vorbei am idyllischen Lägh da Cavloc führte der Weg durch das Val Forno stetig bergauf. Je näher wir der Fornohütte kamen, desto eindrucksvoller wurde die hochalpine Landschaft. Über uns thronte die Hütte spektakulär oberhalb des Fornogletschers – ein Logenplatz mit Blick auf Eis und
Fels.
Der erste Wandertag machte Lust auf mehr und bot bereits einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Nach dem Abendessen wurde schnell klar: Bergsteiger können nicht nur wandern. Karten- und Würfelspiele sorgten für beste Unterhaltung, und es wurde genauso viel
gelacht wie zuvor Höhenmeter gesammelt.
Tag 2 – Grenzgang nach Italien
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von der Schweiz und überschritten die Sella del Forno. Der Anstieg führte zunächst über große Felsblöcke und einige einfache seilgesicherte Passagen. Hier galt: den Blick auf den nächsten Tritt richten, Schritt für Schritt gehen und alle anderen Gedanken einfach hinter sich lassen. Gerade diese konzentrierten
Abschnitte machten den besonderen Reiz der Tour aus.
Mit jedem Höhenmeter veränderte sich die Landschaft. Das raue Grau der Felsen wich nach und nach satten Grüntönen. Blumenwiesen säumten den Weg, und kurz nach dem Grenzübertritt lag plötzlich der Duft von Kräutern und warmen Bergwiesen in der Luft – Italien war nicht nur auf der Karte angekommen, sondern auch mit allen Sinnen spürbar.
Zur Mittagszeit fanden wir auf der Wiese einer idyllischen privaten Alpe den perfekten Platz für eine ausgiebige Rast. Vor uns erhob sich auf der gegenüberliegenden Talseite ein beeindruckender, schneebedeckter Gipfel. Die mächtige Eisflanke wirkte so imposant, dass
man unwillkürlich dachte, sie könnte jeden Moment in Bewegung geraten – ein faszinierender und zugleich respekteinflößender Anblick. Bei diesem Panorama schmeckte die Brotzeit gleich doppelt so gut.
Auch unterwegs war bestens für Erfrischung gesorgt: An den zahlreichen Alpen konnten die Trinkflaschen immer wieder mit frischem Quellwasser aufgefüllt werden. Wer mochte, gönnte seinen müden Beinen zusätzlich ein kaltes Bad in den Viehtränken – erstaunlich effektiv und garantiert belebend.
Bevor wir die Rifugio Longoni erreichten, wartete zum Schluss noch ein kräftiger, steiler Anstieg vorbei an Wasserfällen und einem kleinen Gebirgssee auf uns. Oben angekommen wurden erst einmal die Wanderschuhe ausgezogen und die müden Füße konnten aufatmen.
Während einige einfach die Sonne genossen, gönnten sich andere zur Belohnung einen Aperol
im Liegestuhl auf der Hüttenterrasse – ein würdiger Ausklang eines langen und eindrucksvollen Tourentages.
Am Abend wurden erneut Karten und Würfel ausgepackt.

Tag 3 – Panorama ohne Ende
Wie geplant trat eines unserer Gruppenmitglieder bereits früh am Morgen die Heimreise an, während der Rest noch ein paar Stunden Schlaf genießen konnte. Anschließend machten wir uns auf den längsten und wohl eindrucksvollsten Abschnitt der Tour über die Forcella d'Entova.
Immer wieder blieben wir stehen – nicht etwa aus Erschöpfung (zumindest offiziell nicht), sondern wegen der grandiosen Aussicht.

An diesem Tag zeigte sich auch der König der
Ostalpen von seiner besten Seite: Der Piz Bernina, der einzige Viertausender der Ostalpen, ragte majestätisch über den umliegenden Gipfeln auf und sorgte für zahlreiche Fotostopps.
Der Weg ging über Felsen, Bäche und schließlich schmalen Waldpfaden. Im Wald verpassten wir zwar eine Abzweigung, der kleine Umweg hielt sich jedoch in Grenzen. Stattdessen führte er uns durch ein kleines Bergdorf, wo wir unsere Trinkflaschen noch einmal auffüllen und vor den letzten 200 Höhenmetern im Abstieg eine kurze Verschnaufpause einlegen konnten.
Umso schöner war die Ankunft am Rifugio Zoia - gerade noch rechtzeitig vor dem Regen.
Tag 4 – Zurück in die Schweiz
Direkt von der Hütte führte der Weg wieder bergauf. Eine willkommene Pause bot ein kleiner Bergsee, in dem sich einige von uns eine erfrischende Abkühlung gönnten. Frisch motiviert ging es weiter zum höchsten Punkt des Tages, wo wir erneut die Grenze überschritten und in
die Schweiz zurückkehrten. Der anschließende Abstieg führte durch eine abwechslungsreiche Landschaft hinunter ins Val Poschiavo. Kurz vor dem Ziel hatten wir für ein paar Minuten zum ersten Mal unsere
Regenjacken ausgepackt aber wir hatten Glück und würden von Schauer nicht nass. Nach rund 1.600 Höhenmetern bergab waren alle froh, wieder die Zivilisation erreicht zu haben.
Mit dem Bus ging es schließlich zurück nach Maloja. Die Fahrt führte durch die malerische Landschaft des Val Poschiavo vorbei an kleinen Dörfern, Seen und saftig grünen Wiesen – ein entspannter und landschaftlich reizvoller Abschluss einer rundum gelungenen Tour.

Autor: Andreas Jakob

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Auf anspruchsvoller Wanderung von Malbun auf den Schönberg mit Abstieg übers „Bärgi“

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